Meine Arbeit im Eastern Regional Hospital - Notaufnahme

Für die letzten 6 Wochen habe ich die Station kennengelernt, vor der ich am meisten Respekt habe, nämlich die Notaufnahme. Sie ist unterteilt in eine Station und eine Triage. Ich habe zunächst auf Station angefangen und dort gab es mehr als reichlich zu tun. Morgens angekommen, habe ich beim Reinigen der Betten und Schränke geholfen, nach der Fallübernahme dann Betten bezogen und mit den Ärzten mitgelaufen oder den ganzen Vormittag beim Verbandswechsel assistiert. Außerdem war ich für die Lab-Samples verantwortlich, da die zuständigen Mitarbeiter für ein anderes Projekt abgezogen wurden. Nach der Übergabe konnte ich dann nach Hause gehen. Und das bin ich auch, weil ich meistens ziemlich ausgelaugt aber auch glücklich war, da ich so viel hab helfen können.

Auf der Triage habe ich nur zwei Wochen verbracht, da ich krank geworden bin. Hier gibt es angeblich mal mehr, mal weniger Arbeit - bei mir war allerdings in der Regel die Hölle los. Teilweise wusste man gar nicht, wo hinten und vorne ist, hat mehrere Patienten gleichzeitig bearbeitet und zwischendurch noch beim Zugang legen assistiert. Hier war ich echt froh, schon so viel Erfahrung zu haben und gewichten zu können, ob man besser erst Vitalzeichen misst oder erst den Sauerstoffgehalt/Blutzucker bzw. gleich einen Zugang legt. Auch hier hat mir die Arbeit sehr viel Freude bereitet, da man sehr gefordert wurde und das ganze Team es ziemlich drauf hatte und einem viel beigebracht hat. Wenn gerade mal etwas mehr Luft war, habe ich oft Patienten zum Röntgen oder zum Verlegen auf eine andere Ward begleitet. Dazu wurde ganz neu dieses kleine Gefährt besorgt, wo vorn der Fahrer und dahinter die Begleitung sitzt, die den Patienten auf der Liege beobachtet. Auch die Triage wurde erst kürzlich renoviert, ist nun sehr viel größer mit mehr Betten und auch besser ausgestattet.

An meinem letzten Tag bin ich allerdings an meine Grenzen gestoßen. Bereits am Tag zuvor, haben wir einen Patienten verloren, weil wir ihn nicht ordentlich beobachtet hatten. Und auch die ganze Wiederbelebung war ein einziges Chaos, einfach nichts war da und nichts hat geklappt. Es war wie verflucht, da holt man die Maschine endlich zum Absaugen, weil die ganzen Atemwege mit Flüssigkeit voll sind und sieht, dass der Stecker abgebrochen ist. Gut wenn man jetzt aber anfangen will, das mit westlichem Standard zu vergleichen, wo man ein Knöpfchen drückt und schwupps rauscht ein ganzes Wiederbelebungsteam rein, die alles bei sich haben und wo jeder weiß, was seine Aufgabe ist, findet man wahrscheinlich gar kein Ende und ist am Ende nur sehr wütend. Denn Fakt ist, dass selbst, wenn die Wiederbelebung klappt, die nächste Vorrichtung zum Beatmen und am Leben-Halten in der Intensivstation sind und da hinzukommen, ist ein weiter Weg. Und dann befinden sich auch dort nur 8 Betten, die meistens bereits belegt sind. Das ist alles tatsächlich alles andere als ideal, aber man tut hier, was man kann, verbessert sich mehr und mehr. Ich habe nur festgestellt, dass es sehr viel einfacher ist, anderen Vorwürfe zu machen, dass sie nicht genau wissen, was in so einer Situation zu tun ist, als selbst etwas sinnvolles zu tun. Wo wir nun bei meinem Grenzerlebnis wären: Ein Patient wurde eingeliefert, der schon fast tot war. Er war sehr kalt anzufassen an den Armen, aber ich habe noch eine schwache Atmung und einen schwachen Puls fühlen können. Sofort haben zwei Mitarbeiter versucht, Zugänge zu legen, da der Mann sich in Schock befand. Währenddessen habe ich gemerkt, wie er aufgehört hat zu atmen und die anderen informiert. Die waren mit den Zugängen aber noch nicht fertig und ich mit der Situation total überfordert. Nach dem letzten Patienten, hatte ich mir vorgenommen, es besser zu machen, mehr Initiative zu zeigen. Ich stand direkt neben der Brust und hätte einfach nur mit dem Reannimieren anfangen können, aber mein Kopf war total leer. Ich habe als überlegt, was jetzt sinnvoll ist, mir ist aber nichts eingefallen, dann habe ich nach dem Gerät zum Beatmen gesucht, es aber nicht gefunden, da es nicht wieder an seinen Platz zurückgestellt wurde. Zuletzt habe ich es einfach gelassen und mich um andere Patienten gekümmert - ich bin vor der Verantwortung weggelaufen. Gut der Mann ist mit 82 Jahren letztlich schwerkrank verschieden. Dennoch hat mich das schwer getroffen, weil ich so enttäuscht und erschrocken von mir selbst war, dass ich in so einer wichtigen Situation nicht fähig war, etwas sinnvolles zu tun, nicht alles zu tun, was in meiner Macht stand, wo ich es doch tags zuvor schonmal erlebt hatte.

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