Was ich sonst noch alles erlebt habe

  • Mitte Dezember war ich zunächst auf einem Zwischenseminar, wo ich die anderen Freiwilligen wiedergetroffen habe. Dort wurde sich an einem Wochenende ausgetauscht über das Leben in der Stadt, der Gastfamilie sowie im Projekt, was man alles vermisst, usw. Mein Highlight war es allerdings, mal wieder Schuh des Manitu zu sehen und so etwas "Heimatkultur" zu genießen.
  • Am folgenden Wochenende haben wir die Taufe (Naming Ceremony) des Sohns unseres Mentors besucht. Er hat uns vorher erklärt, dass das mit dem Namen eine ganz wichtige Sache ist in Ghana und die gesamte Familie sich vorher zusammensetzt und den Namen bestimmt. Besonders beliebt sind traditionelle biblische Namen in Verbindung mit Persönlichkeiten wie z.B. dem verstorbenen Großvater, der auch diesen Namen trug. Man glaubt, dass mit dem Namen Eigenschaften und Charakterzüge der Person auf das Kind übergehen. Die Taufe fand wie bei uns auch in Anschluss eines sonntäglichen Gottesdienstes statt. Die Eltern gingen mit dem Kleinen nach Vorne, wo der Kopf mit Wasser übergossen wurde und danach hat die Gemeinde für das Baby gebetet.
  • Anfang Januar hatte ich spontan Besuch von einer Freiwilligen, die ich schon auf meinem Vorbereitungsseminar in Deutschland kennengelernt hatte. Chantal arbeitet in einer Schule in Agona Swedru und war zwischen den Jahren etwas Reisen. In Koforidua habe ich ihr dann die Stadt gezeigt, außerdem haben wir noch einen Tagestripp zu den Akaa-Fällen gemacht, die trotz Trockenzeit zum Glück vorhanden waren. Besonders beeindruckend fand ich aber den Weg dorthin (auf einer Steintreppe entlang einer Felswand) und den Blick den man über die Wälder und Berge hatte.





  • Kurz später habe ich die Blutbank in meinem Krankenhaus getestet. Auch wenn die meisten jetzt sicherlich geschockt reagieren, muss ich sagen, dass es für mich eine positive Erfahrung war. Natürlich muss man bedenken, dass die Temperaturunterschiede sehr drastisch sind und man sich durch die Hitze danach etwas schwächer fühlt als in Deutschland. Ansonsten ist es aber recht ähnlich. Man füllt einen Fragebogen aus, checkt Blutdruck, Hb und die Kondition des Spender und dann geht es auch schon los. Das Blut wird danach auf HIV, HepB, HepC und Syphilis getestet, bevor es dem Patienten verabreicht wird und man selbst erhält einen ziemlich süßen Kakao und ganz viele Geschenke. Leider gehen die Menschen hier, abgesehen davon um für einen Verwandten Blut zu spenden, kaum zur Spende, weshalb häufig Blutmangel herrscht. Mein Blut ist z.B. auch noch am selben Tag für einen Notfall-Patienten im OP genutzt worden.


  • Mitte Januar habe ich mit einer Freiwilligen aus Koforidua einen Wochenendtripp südlich des Voltasees unternommen. Übernachtet haben wir in Atimpoku, wo sich die Adomi-Brücke befindet. Sie wurde 1956 von William Brown entworfen und 1957 umgesetzt und ist seitdem stark genutzt, besonders im Transport von Gütern. Neben der Besichtigung der Brücke haben wir in der Stadt noch eine Kanutour auf dem Volta-Fluss unternommen, wo das Ambiente echt herrlich idyllisch war.

Bevor wir nach Hause gereist sind, haben wir noch einen kurzen Trip nach Akosombo unternommen und den Staudamm besichtigt. Der Damm wurde zwischen 1961 und 1965 unter Kwame Nkrumah gebaut. Die Stauung führte zur Überflutung eines Teils des Volta-Beckens und seiner vorgelagerten Felder sowie zur Schaffung des Volta-Sees, der mit 8502 km² Fläche und 148 km³ Inhalt der flächenmäßig größte künstlich angelegte See der Welt ist. Er führte allerdings auch zur Umsiedlung von 80 000 Menschen, die in Umsiedlungsdörfer gebracht wurden. Der Hauptzweck des Akosombo-Staudamms war die Bereitstellung von Elektrizität für die Aluminiumindustrie. Der Damm wurde mit Konstruktionskosten von umgerechnet fast 150 Millionen Euro "die größte Einzelinvestition in die wirtschaftlichen Entwicklungspläne von Ghana" genannt. Seine ursprüngliche Leistung von 912 MW konnte 2006 auf 1020 MW gesteigert werden und kommt auch den benachbarten Ländern Togo und Benin zu Gute.

  • Mein nächster Trip ging mit meiner Mitbewohnerin Mara nach Cape. Diese Stadt ist einfach traumhaft schön und hat sowohl landschaftlich als auch kulturell viel zu bieten. Nach unserer recht späten Ankunft haben wir uns um 10 Uhr abends zum Glück noch eine Steinofenpizza gönnen können, richtig göttlich, und sind danach ins Bett gefallen. Am nächsten morgen ging es nämlich früh raus, um zum Kakum-Nationalpark zu fahren. Er erstreckt sich über 350 km² tropischen Regenwald und wurde 1990 gegründet. Hier werden verschiedene Aktivitäten angeboten, u.a. eine Führung durch den dichten überaus dunklen Regenwald, wo einen die Pflanzen- und Tierwelt nähergebracht wird oder aber einen Gang über den Canopy Walkway auf 45 Meter Höhe,... Leider waren die Kosten für Ausländer vergleichsweise hoch, sodass wir nur den Canopy Walkway unternehmen konnten. Auf dem Rückweg hatten wir ziemliches Glück, da uns eine deutsche Schulklasse aus Düsseldorf mitgenommen hat.

Zurück in Cape hatten wir noch etwas Zeit die Stadt zu erkunden und sind spontan den Dawson's Hill hoch, um kurzerhand in das Haus einer Familie hereinzuspazieren. Die leben nämlich im Fort William, welcher 1820 zu Signalzwecken gebaut wurde und seit 1838 als Leuchtturm benutzt wurde. Von dort hat man eine herrliche Sicht über die ganze Stadt und auf das Meer.

Danach haben wir noch eine Kirche in der Nähe besichtigt, die sogar einen Kreuzweg wunderbar angelegt die Stufen nach oben hatte. Im Laufe der Kolonialzeit sind viele Priester und Missionare losgezogen, um Kirchen zu bauen und den Glauben zu lehren, sodass man v.a. in den Küstengebieten viele Kirchen zu sehen bekommt.

An unserem letzten Tag haben wir noch das Cape Coast Castle besichtigt, eines von 40 Sklavenburgen, welches 1653 von Schweden an der Goldküste Westafrikas erbaut wurde. Zunächst diente es als Handelszentrum, welches 1663 von den Dänen und 1664 von den Briten erobert wurde. Später galt das Castle aber als größter Umschlagspunkt, um Sklaven zu halten, bevor sie auf Schiffe verladen und in Amerika (besonders der Karibik) verkauft wurden. Das sogenannte "Tor ohne Rückkehr" war die letzte Station vor der Atlantiküberquerung. Neben einer sehr sehr eindrucksvollen und informativen Führung durch die Anlage hat man zusätzlich die Möglichkeit, in einem Museum etwas über die Kolonialgeschichte und deren Auswirkungen sowie die Kultur der Ashanti zu erfahren. Alles in allem finde ich die Besichtigung des Castles sowohl für jeden Ghanaer als auch für jeden Besucher Ghanas essenziell. Allerdings muss man sich auf viele negative Gefühle in dem sonst so fröhlichen Land gefasst machen: Betroffenheit, Ekel, Fassungslosigkeit bei dem ganzen Leid was den Menschen dort wiederfahren ist und auf ihrer weiteren Reise.

  • Mitte Februar haben meine Mitbewohnerin und ich ein fröhlicheres Ereignis zusammen mit unserer Gastmutter besichtigt, nämlich eine ghanaische Hochzeit. Wir nahmen sogar an der Verlobungszeremonie im kleinen familiären Kreis teil. Dort saßen die Angehörigen der Frau rechts und die des Mannes links. Beide stellten zunächst jeweils eine Vertretung, die das Wort führte. Später wurde der Mann nach vorne gegeben und danach ist die Frau mit ihren Brautjungfern eingezogen. Daraufhin führten 2 Pastoren die Verlobung durch und das Brautgeschenk (ganz viele Getränke für die spätere Feier) wurde übergeben. Da alles auf Twi stattfand, haben wir leider kaum etwas verstanden.

Die eigentliche Vermählung verlief anschließend wie folgt: Eröffnungsgebet, Vorstellung der Pastoren, Loben von Gott, Erste Opfergabe, Hochzeitsmarsch, Zweckerklärung, Hochzeitszeremonie, Predigt, Zweite Opfergabe, Unterschreiben des Zertifikats, Ankündigung, Segen. Auf der einen Seite war die Zeremonie sehr schön mit vielen süßen Details und Traditionen, auf der anderen Seite sehe ich eine Heirat in Ghana aus Perspektive der Frau nicht als erstrebenswert an. Wo man vorher noch selbstbestimmt ist und eigene Rechte hat, unterwirft man sich mit dem Eheversprechen vollkommen dem Mann, verspricht ihm sogar absoluten Gehorsam. Allerdings tut sich diesbezüglich zum Glück sehr viel, es machen sich viele Frauenaktivisten stark, es gibt sogar Fernsehsender und Radiostationen speziell für dieses Thema.

  • Zuletzt hab ich nochmal ganz was anderes gewagt, nämlich Braids. Ja, es hat lange gedauert, und ja, es ist sehr schmerzhaft am Anfang, aber stehen tut's mir zum Glück gar nicht so schlecht. Von daher haben sich die umgerechnet 10 Euro dafür gelohnt.

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  • Am letzten Februarwochenende, hatte ich ein richtiges Déjà-Vu an meine Studentenzeit. Dort haben meine Mitbewohner, Mara und Jakob und ich nämlich zusammen mit einer ghanaischen Männer-WG gekocht und zwar Kontomire-Stew mit Yam. Danach haben wir noch etwas vorgeglüht und sind dann zu einer Bar gefahren. Dort war echt die Hölle los, allerdings war es ziemlich laut und die Boxen/DJs echt schlecht, sodass wir die Bar kurzerhand gewechselt haben. Ich habe den Abend wirklich sehr genossen.

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