Meine Arbeit im Eastern Regional Hospital - Chirurgische Abteilung

Erstmals war ich also richtig drin, im Krankenhausalltag. Für mich eine ganz neue Erfahrung und auch eine große Herausforderung, da ich bisher entweder relativ abgeschottet im Labor gearbeitet habe oder als Besucher dagewesen bin. Mit der chirurgischen Abteilung habe ich mir zugleich eine sehr spannende und arbeitsintensive Abteilung ausgesucht, in der man allerdings zum Teil auch sehr ernste Fälle zu sehen bekommt. Teils konnten die Patienten nichts dafür, teils sind sie einfach viel zu spät zum Krankenhaus gekommen oder wurden nicht rechtzeitig von einem kleineren Krankenhaus überwiesen oder aber mit "Herbal Medication" behandelt. Letztere hat zum Teil zu sehr schlimmen Schwellungen und Ablösen großer Hautareale bis aufs Muskelgewebe geführt. Aber umso schöner war es zu sehen, wenn man durch richtige Behandlung Besserung erzielen und dem Patienten helfen konnte. Nicht selten habe ich sogar 2 Schichten im Krankenhaus verbracht. Dabei hatte ich sowohl die Chance, den Arbeitsalltag der Schwestern/Pfleger als auch den der Ärzte/Arzthelfer kennenzulernen.

Als Krankenschwester habe ich hauptsächlich beim Vitalzeichen messen, Verbandswechsel und Betten-Beziehen helfen können. Allerdings fallen den Schwestern/Pflegern auch verwaltungstechnische Aufgaben zu, insbesondere beim Aufnehmen/Entlassen des Patienten. Außerdem folgt eine/r täglich den Ärzten, bei ihrer morgendlichen Runde, um den Plan jedes Patienten zu aktualisieren (z.B. Änderung der Medikation, Durchführung von diagnostischen Tests,...). Denn auch Medikamentengabe und Geleiten der Patienten zum Röntgen bzw. CT gehört zu dem Arbeitsfeld einer/s Schwester/Pflegers.

Der Arbeitsalltag der Ärzte/Arzthelfer begann um Punkt 7 - und ja der Chef, Dr. Amponsah, hat im Gegensatz zu den meisten anderen Ghanaern auf Pünktlichkeit viel Wert gelegt. Wir haben immer von der Notaufnahme gestartet, um mögliche Fälle schnell aufnehmen zu können und sind danach zu unserer eigenen Abteilung gegangen. Dort haben wir einen Patienten nach dem anderen sehr zügig bearbeitet. Daraufhin haben wir meistens noch bei dem Aufwachraum und der Intensivstation und bei Anforderung auch in der pädiatrischen Abteilung und der Intensivstation für Neugeborene vorbeigeschaut. Nach einer kurzen Frühstückspause gegen 10 ging es danach zügig entweder in die Konsulat-Zimmer, wo sich mögliche zukünftige aber auch alte Patienten der chirurgischen Abteilung vorstellen konnten und danach in den OP bzw. am Dienstag/Donnerstag direkt in den OP. Bei Notfällen hat der Chef sich immer eine kleine Gruppe zusammengestellt und die Fälle zu jeder Zeit natürlich schnellstmöglich bearbeitet. Insgesamt hat der Arbeitstag für die Ärzte/Arzthelfer in der Regel bis nach 20 Uhr gedauert und das täglich. Ich persönlich habe durch Zuhören/Beobachten der Ärzte/Arzthelfer zwar viel Lernen aber leider nicht viel helfen können. Besonders interessant war es auch, einmal bei der Chemotherapie für Brustkrebs dabei sein zu können.

Nachdem ich so 4 Wochen verbracht habe, habe ich mir nochmal für 3 Wochen den OP, Aufwachraum und die Intensivstation genauer angeschaut. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller gewesen, den OP vorher anzuschauen, da ich erst jetzt den ganzen englischen Begriffen für Instrumente und Co. nähergebracht wurde. Ich habe eine sehr gute Einführung bekommen, in der mir nicht nur gezeigt wurde, wo alles zu finden ist, sondern auch wozu es gut ist. Sei es nun die unterschiedlichen Desinfektionsmittel, Nahtmaterialien, Bestecksets, oder aber die Art den OP vor- und nachzubereiten, steril zu arbeiten und Bestecke, Tücher,... ordnungsgemäß zu reinigen bzw. zum Autoklavieren vorzubereiten. Einmal durfte ich auch assistieren. Allerdings muss natürlich gerade dann, wenn "Obroni" in Aktion ist, eine Überraschung nach der anderen kommen. Zuerst hat das Betäubungsmittel ungewöhnlich lange gebraucht, um zu wirken, dann hat sich die eigentliche Hernie im Hodensack als riesige Hydrozelle (konnte sie mit beiden Händen nicht umfassen) entpuppt. Und auch wenn ein Stromausfall höchstens 2 Mal im Monat vorkommt und meist nur ein paar Sekunden dauert, in dieser einen Stunde hat er 5 Minuten gedauert, allerdings konnten wir durch das Notstromaggregat die Arbeit ununterbrochen weiterführen. Zuletzt hat der Arzt beim Versuch, die Hydrozelle zu isolieren, unglücklicherweise mit dem Skalpell ein Loch hineingestochen, sodass die Flüssigkeit herausgespritzt ist. Allerdings konnten wir die Flüssigkeit mit einer Schale auffangen, den Rest der Zelle entfernen und die OP komplikationslos zu Ende führen.

Meine Zeit im Aufwachraum und der Intensivstation war dagegen ruhiger. In den 2 Wochen, wo ich da war, gab es recht wenige Patienten. Allerdings wurde die Zeit in der Intensivstation sinnvoll genutzt, mir alle Geräte, Verfahren, Medikamente usw. zu zeigen und näherzubringen, damit ich, falls ein Notfall kommt, auch sehr schnell reagieren und helfen kann. Diese Station ist vergleichsweise sehr gut und modern eingerichtet, hat sogar ein eigenes Röntgengerät. Und auch wenn es meist sehr ruhig ist, in Notfällen passiert alles sehr schnell und jeder weiß, was er zu tun hat und was jetzt gerade nötig ist. Es war wirklich beeindruckend, das Team in Aktion zu sehen.

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