Mittwoch, Mai 23 2018

Was ich sonst noch alles erlebt habe

  • Das Osterfest haben wir Freiwilligen ganz traditionell ghanaisch in Kwahu verbracht. Vorher gab's allerdings noch einen kleinen nachträglichen Geburtstagsbrunch für mich von meinen lieben Mitbewohnern Mara und Jakob. Neben den üblichen Festival-Attraktionen und kulinarischen Highlights gab es bei diesem Festival auch Paraglider von aller Welt zu sehen. Auch ich habe mich darin mit dem Peruaner Eduardo Reategui versucht und muss sagen, dass es eigentlich ganz entspannt ist.









  • Kurze Zeit später war ich schon wieder auf Reisen, diesmal in die Volta-Region, zusammen mit Michael und Daniel. Zunächst sind wir in das kleine aber sehr schöne und idyllische Dörfchen Liate Wote am Fuße des mit 885 m höchsten Berges Ghanas, Mount Afadjato, gefahren.










Unglücklicherweise habe ich mir gleich zu Anfang die typische Anfänger-Motorradauspuff-Brandwunde zugezogen, die mittlerweile sehr viele rechte Beine unter den Freiwilligen ziert. Deshalb IMMER links absteigen! Am nächsten Tag bin ich trotzdem mit auf den Berg hinaufgewandert und am Tag darauf haben wir die Tagbo-Falls besucht und damit sogar die Grenze zu Togo überschritten. Daraufhin führte uns unsere Reise, erneut mit dem Motorrad, zu den Wli-Falls, wo wir sogar spontan zusammen mit Eva und Steven gezeltet haben. Es war echt eine herrliche Erfahrung, überall Schmetterlinge und einmal haben sogar hunderte Fledermäuse den Himmel ganz schön verdunkelt.











Die Gruppe hat so gut gepasst, dass wir direkt zu Fünft weiter nach Amedzofe, dem mit 677 m höchsten Dorf Ghanas, gezogen sind. Dort war die Dorfgemeinschaft wirklich einzigartig. Früh morgens konnten wir sogar zu Sonnenaufgang einem herrlichen Chor lauschen, der von Mount Gemi herab zum Dorf gesungen hat. Auf dem Berg selbst war die Aussicht wirklich atemberaubend, erst dort ist mir überhaupt klargeworden, wie groß der Volta-See tatsächlich ist. Auch nicht weit vom Dorf entfernt, waren die Ote-Falls, die aber nach der Trockenzeit noch recht klein waren. Danach war die schöne Reise leider schon wieder zu Ende und es ging zurück an die Arbeit.

  • Da nun schon über die Hälfte unserer Zeit in Ghana um ist, hatten wir erneut ein Seminar mit unserer ghanaischen Organisation, diesmal für 5 Tage. Neben dem Seminar habe ich diesmal auch ausgiebig die Malls (Westhill und Accra Mall) besucht, ganz viel Pizza geschlemmt und sogar Black Panther im Kino geschaut.
  • Die beiden folgenden Wochenenden habe ich um Agona Swedru verbracht. Das Erste sind wir auch einen Tag nach Winneba gefahren, um an den Strand zu gehen. Unglücklicherweise bin ich dort eingeschlafen und mit Sonnenbrand und hunderten Ghanaern um mich herum aufgewacht. Wir hatten nämlich leider nicht bedacht, dass gleichzeitig das Aboakyer Festival an diesem Wochenende dort stattfand. Das zweite Wochenende war ich noch zusätzlich in Bremen Asikuma, wo ich an einem Blutspendetag teilgenommen habe, den zwei andere Freiwilligen im dortigen Krankenhaus organisiert haben.
  • Nach langer Zeit war ich nun auch mal wieder ein Wochenende in Koforidua und konnte nicht um mich, mit Laura mal wieder den Berg hinaufzuwandern. Und ich muss sagen, diese Aussicht ist immer wieder lohnenswert.






  • Zwischendurch habe ich auch einige kulinarische Highlights erlebt. Einen Abend gab es sogar eine Gönnung mit Parmesan und Rotwein. Aber auch ghanaisches Essen können wir mittlerweile sehr gut zubereiten, so gab es dieses Mal Yamballs mit Gemüße-Soße für die Koforidua-Freiwilligen bei unserem monatlichen Treffen.













  • Modisch habe ich auch im letzten Monat endlich aufgerüstet. Und ich muss sagen, dass ich mit den bisherigen Resultaten mehr als zufrieden bin

Samstag, März 17 2018

Meine Arbeit im Eastern Regional Hospital - Notaufnahme

Für die letzten 6 Wochen habe ich die Station kennengelernt, vor der ich am meisten Respekt habe, nämlich die Notaufnahme. Sie ist unterteilt in eine Station und eine Triage. Ich habe zunächst auf Station angefangen und dort gab es mehr als reichlich zu tun. Morgens angekommen, habe ich beim Reinigen der Betten und Schränke geholfen, nach der Fallübernahme dann Betten bezogen und mit den Ärzten mitgelaufen oder den ganzen Vormittag beim Verbandswechsel assistiert. Außerdem war ich für die Lab-Samples verantwortlich, da die zuständigen Mitarbeiter für ein anderes Projekt abgezogen wurden. Nach der Übergabe konnte ich dann nach Hause gehen. Und das bin ich auch, weil ich meistens ziemlich ausgelaugt aber auch glücklich war, da ich so viel hab helfen können.

Auf der Triage habe ich nur zwei Wochen verbracht, da ich krank geworden bin. Hier gibt es angeblich mal mehr, mal weniger Arbeit - bei mir war allerdings in der Regel die Hölle los. Teilweise wusste man gar nicht, wo hinten und vorne ist, hat mehrere Patienten gleichzeitig bearbeitet und zwischendurch noch beim Zugang legen assistiert. Hier war ich echt froh, schon so viel Erfahrung zu haben und gewichten zu können, ob man besser erst Vitalzeichen misst oder erst den Sauerstoffgehalt/Blutzucker bzw. gleich einen Zugang legt. Auch hier hat mir die Arbeit sehr viel Freude bereitet, da man sehr gefordert wurde und das ganze Team es ziemlich drauf hatte und einem viel beigebracht hat. Wenn gerade mal etwas mehr Luft war, habe ich oft Patienten zum Röntgen oder zum Verlegen auf eine andere Ward begleitet. Dazu wurde ganz neu dieses kleine Gefährt besorgt, wo vorn der Fahrer und dahinter die Begleitung sitzt, die den Patienten auf der Liege beobachtet. Auch die Triage wurde erst kürzlich renoviert, ist nun sehr viel größer mit mehr Betten und auch besser ausgestattet.

An meinem letzten Tag bin ich allerdings an meine Grenzen gestoßen. Bereits am Tag zuvor, haben wir einen Patienten verloren, weil wir ihn nicht ordentlich beobachtet hatten. Und auch die ganze Wiederbelebung war ein einziges Chaos, einfach nichts war da und nichts hat geklappt. Es war wie verflucht, da holt man die Maschine endlich zum Absaugen, weil die ganzen Atemwege mit Flüssigkeit voll sind und sieht, dass der Stecker abgebrochen ist. Gut wenn man jetzt aber anfangen will, das mit westlichem Standard zu vergleichen, wo man ein Knöpfchen drückt und schwupps rauscht ein ganzes Wiederbelebungsteam rein, die alles bei sich haben und wo jeder weiß, was seine Aufgabe ist, findet man wahrscheinlich gar kein Ende und ist am Ende nur sehr wütend. Denn Fakt ist, dass selbst, wenn die Wiederbelebung klappt, die nächste Vorrichtung zum Beatmen und am Leben-Halten in der Intensivstation sind und da hinzukommen, ist ein weiter Weg. Und dann befinden sich auch dort nur 8 Betten, die meistens bereits belegt sind. Das ist alles tatsächlich alles andere als ideal, aber man tut hier, was man kann, verbessert sich mehr und mehr. Ich habe nur festgestellt, dass es sehr viel einfacher ist, anderen Vorwürfe zu machen, dass sie nicht genau wissen, was in so einer Situation zu tun ist, als selbst etwas sinnvolles zu tun. Wo wir nun bei meinem Grenzerlebnis wären: Ein Patient wurde eingeliefert, der schon fast tot war. Er war sehr kalt anzufassen an den Armen, aber ich habe noch eine schwache Atmung und einen schwachen Puls fühlen können. Sofort haben zwei Mitarbeiter versucht, Zugänge zu legen, da der Mann sich in Schock befand. Währenddessen habe ich gemerkt, wie er aufgehört hat zu atmen und die anderen informiert. Die waren mit den Zugängen aber noch nicht fertig und ich mit der Situation total überfordert. Nach dem letzten Patienten, hatte ich mir vorgenommen, es besser zu machen, mehr Initiative zu zeigen. Ich stand direkt neben der Brust und hätte einfach nur mit dem Reannimieren anfangen können, aber mein Kopf war total leer. Ich habe als überlegt, was jetzt sinnvoll ist, mir ist aber nichts eingefallen, dann habe ich nach dem Gerät zum Beatmen gesucht, es aber nicht gefunden, da es nicht wieder an seinen Platz zurückgestellt wurde. Zuletzt habe ich es einfach gelassen und mich um andere Patienten gekümmert - ich bin vor der Verantwortung weggelaufen. Gut der Mann ist mit 82 Jahren letztlich schwerkrank verschieden. Dennoch hat mich das schwer getroffen, weil ich so enttäuscht und erschrocken von mir selbst war, dass ich in so einer wichtigen Situation nicht fähig war, etwas sinnvolles zu tun, nicht alles zu tun, was in meiner Macht stand, wo ich es doch tags zuvor schonmal erlebt hatte.

Das Geburtstags-Special

Bevor ich überhaupt auf meinen nächsten Trip, das Asabaako Festival in Busua fahren konnte, um dort gebührend nicht nur die Unabhängigkeit Ghanas, sondern auch meinen Geburtstag und sogar mein Bergfest am 06.03.2018 zu feiern, habe ich endlich das langersehnte Päckchen von meinen Mädels erhalten. Das Gute hat ganz schön viel mitgemacht, wurde sogar zwecks Sprengstoffverdacht vom Zollamt geöffnet, und tatsächlich, die Wunderkerzen und das Deo mussten entnommen werden. Danach wurde es aber zum Glück weiterverschickt, es hat's nur nicht ganz an's Ende geschafft und lag wahrscheinlich für 6 Wochen in einem alten Schrank am Postamt rum. Aber es hat mich ja noch zum Glück gefunden und hielt/hält für jede Woche ganz wunderschöne Überraschungen für mich bereit. Ich habe mich wirklich wahnsinnig darüber gefreut und kann an dieser Stelle nur noch einmal sagen, wie glücklich ich mich schätze so wundervolle Freunde zu haben. Insbesondere zu meinem Geburtstag habe ich so viele liebe und lange Grüße von Familie/Freunden erhalten, dass ich ganz gerührt war und mich gefragt habe, womit ich das denn eigentlich verdient habe. Ich möchte euch an dieser Stelle nochmal meinen größten herzlichsten Dank ausrichten und dass ich unglaublich froh bin, dass ihr immer für mich da seid und dass ich euch alle unglaublich doll lieb habe <3

Nun zu dem Wochenende: Gestartet bin ich ganz entspannt am Freitag morgen. In Accra angekommen, habe ich nach einem schattigen Plätzchen gesucht, da ich noch auf Freunde warten musste, und mich neben meinem neuen Kumpel niedergelassen, der Country-Music auf der Trotrostation verkauft. Da saß ich nun für 1,5 Stunden mitten im Trubel und habe mich einfach nur meines Lebens gefreut und den vorbeilaufenden Ghanaern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Da die Strecke bis nach Busua recht weit ist, haben wir am Freitag noch einen Zwischenstop in Cape Cost eingelegt. Dort habe ich eine Freundin besucht, die ich in meiner ersten Woche im Krankenhaus kennengelernt habe. Portia hatte nämlich kurze Zeit später mit ihrem einjährigen "National Service" abgeschlossen und eine neue Stelle in Cape Cost gefunden. Ich war wieder wie in mein WG-Leben zurückversetzt. Wir waren zusammen einkaufen, haben fleißig gekocht: Banku mit Okro-Stew sowie Curry-Reis mit Vegetable-Tomatostew. Und Leute, dieses selbstgemachte Essen war das Beste, was ich bislang in Ghana gegessen habe. Nebenbei haben wir natürlich viel gequatscht: über Arbeit, Kollegen, aber auch Familie und Freunde und natürlich Männer. Am nächsten Tag hat sie mich noch kurz mit zur Arbeit genommen und dort vorgestellt, bevor ich die anderen zur Weiterreise getroffen habe.



Zum Glück haben wir noch viele getroffen sodass es möglich war, als große Gruppe in Cape Cost günstig ein Trotro zu mieten, dass uns bis nach Busua gebracht hat, sodass wir nicht noch 2 Mal zwischendurch umsteigen mussten. Die Fahrt war wunderschön entlang der Küste und ging sehr zügig voran. Dort angekommen waren wir in einem kleinen Paradies. Es gab viele Angebote wie Surfen und westliches Essen, über die man sich freuen konnte. Auch die Kulisse war atemberaubend schön.

Die Tage haben wir in der Regel mit Essen, Schwimmen, Karten und Billard spielen verbracht. Abends ging's dann meistens zum Feiern. An unserem ersten Abend war die große Dschungle-Party, auf der praktisch alle versammelt waren. Es war wunderschön dekoriert mit vielen Lampignons und Fackeln, dazu waren Essens- und Getränkemöglichkeiten vor Ort und auch die DJs waren auch gar nicht so schlecht. Was mir aber am Besten an diesem Festival gefallen hat, ist, dass dadurch, dass vergleichsweise viele Freiwillige da waren, man nicht so im Mittelpunkt stand und sich sehr frei bewegen konnte.

Am letzten Nachmittag habe ich einen kleinen Auflug zu einem richtig tollen Ort unternommen. Vom Strand aus hatte ich schon die ganze Zeit einen Pavillon im Auge und da musste ich einfach ein paar Freunde schnappen und hinmarschieren. Leider wussten wir nicht, dass man auch anders hinkommen kann und sind die ganze Küste entlang über Steine gekrakselt. Aber der beschwerliche Weg hat sich gelohnt, denn dieser Pavillon war einfach herrlich. Ich wär am liebsten nie wieder woanders hingegangen.

Aber wir mussten ja noch die große Geburtstags-/Unabhängigkeits-/Bergfest-Party reinfeiern. Und das haben wir auch nach allen Regeln der Kunst getan. Ich hatte einen wunderschönen Abend, hab ausgelassen gesungen und getanzt. Meine Freunde haben sogar Schokokuchen an Mitternacht besorgt und mich nach ghanaischer Tradition auch ordentlich nass gemacht.

Durchmachen haben wir nach dem Wochenende leider nicht mehr geschafft. Dennoch haben wir uns den Wecker gestellt, um gegen 5 Uhr morgens nochmal zum Pavillon zu gehen (diesmal über den befestigten Weg) und den Sonnenaufgang anzuschauen. Er war atemberaubend schön. Leider habe ich es nicht geschafft, ihn bis zum Ende anzuschauen, da ich Magen-Darm bekommen habe und schnellstmöglich zum Hostel geeilt bin.









Die Rückreise war dann alles andere als angenehm. Habe mich auch nicht mehr getraut, etwas zu essen, da mir über 10 Stunden Fahrt ohne Klo bevorstanden. Nicht einmal das ORS habe ich in Wasser gelöst herunterbekommen. Im Nachhinein hätte ich diese Reise nie wieder alleine so angetreten mit Fieber und co. Aber irgendwie habe ich es in meine Stadt und direkt in mein Krankenhaus geschafft, wo ich mich erstmal hab durchchecken lassen. Da es schon nach 22:00 Uhr war und ich ziemlich dehydriert und fertig war, wurde ich für die Nacht mit einer Infusion und einigen Medikamenten in das Doktoren-Zimmer gebracht. Am nächsten morgen, habe ich ganz viel Besuch bekommen und alle haben sich erkundigt, wie es mir geht. Die anderen Freiwilligen waren auch ganz super, haben mir Essen gekauft und alles besorgt, was ich so brauchte. Es war auf jeden Fall auch mal eine Erfahrung, das Krankenhaus als Patient kennenzulernen, und ich kann nur sagen, dass ich total zufrieden war und sich super um mich gekümmert wurde von meinen Freunden und Kollegen.

Sonntag, März 11 2018

Was ich sonst noch alles erlebt habe

  • Mitte Dezember war ich zunächst auf einem Zwischenseminar, wo ich die anderen Freiwilligen wiedergetroffen habe. Dort wurde sich an einem Wochenende ausgetauscht über das Leben in der Stadt, der Gastfamilie sowie im Projekt, was man alles vermisst, usw. Mein Highlight war es allerdings, mal wieder Schuh des Manitu zu sehen und so etwas "Heimatkultur" zu genießen.
  • Am folgenden Wochenende haben wir die Taufe (Naming Ceremony) des Sohns unseres Mentors besucht. Er hat uns vorher erklärt, dass das mit dem Namen eine ganz wichtige Sache ist in Ghana und die gesamte Familie sich vorher zusammensetzt und den Namen bestimmt. Besonders beliebt sind traditionelle biblische Namen in Verbindung mit Persönlichkeiten wie z.B. dem verstorbenen Großvater, der auch diesen Namen trug. Man glaubt, dass mit dem Namen Eigenschaften und Charakterzüge der Person auf das Kind übergehen. Die Taufe fand wie bei uns auch in Anschluss eines sonntäglichen Gottesdienstes statt. Die Eltern gingen mit dem Kleinen nach Vorne, wo der Kopf mit Wasser übergossen wurde und danach hat die Gemeinde für das Baby gebetet.
  • Anfang Januar hatte ich spontan Besuch von einer Freiwilligen, die ich schon auf meinem Vorbereitungsseminar in Deutschland kennengelernt hatte. Chantal arbeitet in einer Schule in Agona Swedru und war zwischen den Jahren etwas Reisen. In Koforidua habe ich ihr dann die Stadt gezeigt, außerdem haben wir noch einen Tagestripp zu den Akaa-Fällen gemacht, die trotz Trockenzeit zum Glück vorhanden waren. Besonders beeindruckend fand ich aber den Weg dorthin (auf einer Steintreppe entlang einer Felswand) und den Blick den man über die Wälder und Berge hatte.





  • Kurz später habe ich die Blutbank in meinem Krankenhaus getestet. Auch wenn die meisten jetzt sicherlich geschockt reagieren, muss ich sagen, dass es für mich eine positive Erfahrung war. Natürlich muss man bedenken, dass die Temperaturunterschiede sehr drastisch sind und man sich durch die Hitze danach etwas schwächer fühlt als in Deutschland. Ansonsten ist es aber recht ähnlich. Man füllt einen Fragebogen aus, checkt Blutdruck, Hb und die Kondition des Spender und dann geht es auch schon los. Das Blut wird danach auf HIV, HepB, HepC und Syphilis getestet, bevor es dem Patienten verabreicht wird und man selbst erhält einen ziemlich süßen Kakao und ganz viele Geschenke. Leider gehen die Menschen hier, abgesehen davon um für einen Verwandten Blut zu spenden, kaum zur Spende, weshalb häufig Blutmangel herrscht. Mein Blut ist z.B. auch noch am selben Tag für einen Notfall-Patienten im OP genutzt worden.


  • Mitte Januar habe ich mit einer Freiwilligen aus Koforidua einen Wochenendtripp südlich des Voltasees unternommen. Übernachtet haben wir in Atimpoku, wo sich die Adomi-Brücke befindet. Sie wurde 1956 von William Brown entworfen und 1957 umgesetzt und ist seitdem stark genutzt, besonders im Transport von Gütern. Neben der Besichtigung der Brücke haben wir in der Stadt noch eine Kanutour auf dem Volta-Fluss unternommen, wo das Ambiente echt herrlich idyllisch war.

Bevor wir nach Hause gereist sind, haben wir noch einen kurzen Trip nach Akosombo unternommen und den Staudamm besichtigt. Der Damm wurde zwischen 1961 und 1965 unter Kwame Nkrumah gebaut. Die Stauung führte zur Überflutung eines Teils des Volta-Beckens und seiner vorgelagerten Felder sowie zur Schaffung des Volta-Sees, der mit 8502 km² Fläche und 148 km³ Inhalt der flächenmäßig größte künstlich angelegte See der Welt ist. Er führte allerdings auch zur Umsiedlung von 80 000 Menschen, die in Umsiedlungsdörfer gebracht wurden. Der Hauptzweck des Akosombo-Staudamms war die Bereitstellung von Elektrizität für die Aluminiumindustrie. Der Damm wurde mit Konstruktionskosten von umgerechnet fast 150 Millionen Euro "die größte Einzelinvestition in die wirtschaftlichen Entwicklungspläne von Ghana" genannt. Seine ursprüngliche Leistung von 912 MW konnte 2006 auf 1020 MW gesteigert werden und kommt auch den benachbarten Ländern Togo und Benin zu Gute.

  • Mein nächster Trip ging mit meiner Mitbewohnerin Mara nach Cape. Diese Stadt ist einfach traumhaft schön und hat sowohl landschaftlich als auch kulturell viel zu bieten. Nach unserer recht späten Ankunft haben wir uns um 10 Uhr abends zum Glück noch eine Steinofenpizza gönnen können, richtig göttlich, und sind danach ins Bett gefallen. Am nächsten morgen ging es nämlich früh raus, um zum Kakum-Nationalpark zu fahren. Er erstreckt sich über 350 km² tropischen Regenwald und wurde 1990 gegründet. Hier werden verschiedene Aktivitäten angeboten, u.a. eine Führung durch den dichten überaus dunklen Regenwald, wo einen die Pflanzen- und Tierwelt nähergebracht wird oder aber einen Gang über den Canopy Walkway auf 45 Meter Höhe,... Leider waren die Kosten für Ausländer vergleichsweise hoch, sodass wir nur den Canopy Walkway unternehmen konnten. Auf dem Rückweg hatten wir ziemliches Glück, da uns eine deutsche Schulklasse aus Düsseldorf mitgenommen hat.

Zurück in Cape hatten wir noch etwas Zeit die Stadt zu erkunden und sind spontan den Dawson's Hill hoch, um kurzerhand in das Haus einer Familie hereinzuspazieren. Die leben nämlich im Fort William, welcher 1820 zu Signalzwecken gebaut wurde und seit 1838 als Leuchtturm benutzt wurde. Von dort hat man eine herrliche Sicht über die ganze Stadt und auf das Meer.

Danach haben wir noch eine Kirche in der Nähe besichtigt, die sogar einen Kreuzweg wunderbar angelegt die Stufen nach oben hatte. Im Laufe der Kolonialzeit sind viele Priester und Missionare losgezogen, um Kirchen zu bauen und den Glauben zu lehren, sodass man v.a. in den Küstengebieten viele Kirchen zu sehen bekommt.

An unserem letzten Tag haben wir noch das Cape Coast Castle besichtigt, eines von 40 Sklavenburgen, welches 1653 von Schweden an der Goldküste Westafrikas erbaut wurde. Zunächst diente es als Handelszentrum, welches 1663 von den Dänen und 1664 von den Briten erobert wurde. Später galt das Castle aber als größter Umschlagspunkt, um Sklaven zu halten, bevor sie auf Schiffe verladen und in Amerika (besonders der Karibik) verkauft wurden. Das sogenannte "Tor ohne Rückkehr" war die letzte Station vor der Atlantiküberquerung. Neben einer sehr sehr eindrucksvollen und informativen Führung durch die Anlage hat man zusätzlich die Möglichkeit, in einem Museum etwas über die Kolonialgeschichte und deren Auswirkungen sowie die Kultur der Ashanti zu erfahren. Alles in allem finde ich die Besichtigung des Castles sowohl für jeden Ghanaer als auch für jeden Besucher Ghanas essenziell. Allerdings muss man sich auf viele negative Gefühle in dem sonst so fröhlichen Land gefasst machen: Betroffenheit, Ekel, Fassungslosigkeit bei dem ganzen Leid was den Menschen dort wiederfahren ist und auf ihrer weiteren Reise.

  • Mitte Februar haben meine Mitbewohnerin und ich ein fröhlicheres Ereignis zusammen mit unserer Gastmutter besichtigt, nämlich eine ghanaische Hochzeit. Wir nahmen sogar an der Verlobungszeremonie im kleinen familiären Kreis teil. Dort saßen die Angehörigen der Frau rechts und die des Mannes links. Beide stellten zunächst jeweils eine Vertretung, die das Wort führte. Später wurde der Mann nach vorne gegeben und danach ist die Frau mit ihren Brautjungfern eingezogen. Daraufhin führten 2 Pastoren die Verlobung durch und das Brautgeschenk (ganz viele Getränke für die spätere Feier) wurde übergeben. Da alles auf Twi stattfand, haben wir leider kaum etwas verstanden.

Die eigentliche Vermählung verlief anschließend wie folgt: Eröffnungsgebet, Vorstellung der Pastoren, Loben von Gott, Erste Opfergabe, Hochzeitsmarsch, Zweckerklärung, Hochzeitszeremonie, Predigt, Zweite Opfergabe, Unterschreiben des Zertifikats, Ankündigung, Segen. Auf der einen Seite war die Zeremonie sehr schön mit vielen süßen Details und Traditionen, auf der anderen Seite sehe ich eine Heirat in Ghana aus Perspektive der Frau nicht als erstrebenswert an. Wo man vorher noch selbstbestimmt ist und eigene Rechte hat, unterwirft man sich mit dem Eheversprechen vollkommen dem Mann, verspricht ihm sogar absoluten Gehorsam. Allerdings tut sich diesbezüglich zum Glück sehr viel, es machen sich viele Frauenaktivisten stark, es gibt sogar Fernsehsender und Radiostationen speziell für dieses Thema.

  • Zuletzt hab ich nochmal ganz was anderes gewagt, nämlich Braids. Ja, es hat lange gedauert, und ja, es ist sehr schmerzhaft am Anfang, aber stehen tut's mir zum Glück gar nicht so schlecht. Von daher haben sich die umgerechnet 10 Euro dafür gelohnt.

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  • Am letzten Februarwochenende, hatte ich ein richtiges Déjà-Vu an meine Studentenzeit. Dort haben meine Mitbewohner, Mara und Jakob und ich nämlich zusammen mit einer ghanaischen Männer-WG gekocht und zwar Kontomire-Stew mit Yam. Danach haben wir noch etwas vorgeglüht und sind dann zu einer Bar gefahren. Dort war echt die Hölle los, allerdings war es ziemlich laut und die Boxen/DJs echt schlecht, sodass wir die Bar kurzerhand gewechselt haben. Ich habe den Abend wirklich sehr genossen.

Samstag, Februar 24 2018

Die ghanaische Währung

Banknoten - Cedi

Die Banknoten, wovon die meisten am 03. Juli 2007 veröffentlicht wurden, zeigen vorn einmal den Triumphbogen (Independence-Arch) als Zeichen der politischen Unabhängigkeit Ghanas, sowie Portraits von denjenigen 6 Persönlichkeiten, die die Ghanaische Unabhängigkeit am 06. März 1957 ermöglicht haben:

  • Kwame Nkrumah (1909 - 1972)
  • Emmanuel Odarkwei Obetsebi Lamptey (1902 - 1963)
  • William Ofori Atta (1910 - 1988)
  • Edward Akufo-Addo (1906 - 1979)
  • Ebenezer Ako Edjei (1916 - 2002)
  • Joseph Boakye Danquah (1895 - 1965).

Auf den Rückseiten ist Folgendes zu sehen:
Der 1 Cedi Schein weist den Akosombo-Staudamm auf und erkennt seine Schlüsselrolle bei der Erzeugung von Elektrizität im Laufe der Jahre für den industriellen und häuslichen Gebrauch und seine kontinuierliche Relevanz für die sozioökonomische Entwicklung des Landes an.
Der alte 5 Cedi hat die Universität Ghanas auf der Rückseite, die die Rolle von Bildung in der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes darstellt.
Auf dem 10 Cedi ist der Hauptsitz der "Bank of Ghana" zu sehen und würdigt die Bank als alleinigen Währeungsgeber sowie die bedeutende Rolle des Finanzsystems in der Gesamtentwicklung der Wirtschaft.
Der 20 Cedi zeigt das Gebäude des Obersten Gerichtshofs, das die Rechtsstaatlichkeit der Nation symbolisiert.
Der 50 Cedi Schein zeigt das Schloss Christianborg als Regierungssitz. Hier wird die Bedeutung von "Good Governance" in der ghanaischen Gesellschaft festgehalten.

Später kam es noch zur Ausgabe zwei weiterer Scheine, einmal einem 2 Cedi-Schein sowie von einem neuen 5 Cedi-Schein:
Der 2 Cedi Schein wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstags des ersten ghanaischen Präsidenten, Dr. Kwame Nkrumah, von der Bank of Ghana enthüllt und zeigt denselben in einem großen Portrait auf der Vorderseite. Auf der Rückseite ist das Parlamentshaus abgebildet, der Sitz des Präsidenten, welches ebenfalls von Kwame Nkrumah entworfen wurde.
Anlässlich des 60. Geburtstag der Bank of Ghana wurde am 07. März 2017 ein neuer 5 Cedi Schein ausgegeben. Auf der Vorderseite ist ein Portrait von Dr. Gyegyir Aggrey, einem der berühmtesten Pädagogen, Missionare und Lehrer Ghanas abgebildet. Auf der Rückseite ist einmal der FPSO Kwame Nkrumah (ein schwimmendes Produktionsspeicher- und Entladefahrzeug, welches vor den Jubilee-Ölfeldern vor der Küste Ghanas tätig ist) aber auch Goldbarren, Kakaoschoten und Kaurimuscheln zu sehen, denen eine große Bedeutung in Ghana zukommt.


Münzen - Pesewa



Das Wappen Ghanas ist auf allen Rückseiten der Münzen zu sehen. Es erfasst unter anderem die Mineralien, den landwirtschaftlichen Reichtum des Landes, die fortdauernde Verbindung zwischen Ghana und dem Commonwealth, den einsamen Stern der afrikanischen Freiheit und die nationalen Bestrebungen.

Der 1 Pesewa zeigt die Adomi-Bridge als Symbol der Infrastruktur und Bewegungsfreiheit von Gütern und Menschen in einem vereinten Ghana.
Auf der 5 Pesewa Münze ist ein traditioneller Hornbläser zu sehen, der die ursprüngliche Art der Kommunikation über weite Strecken in Ghana repräsentiert.
Der 10 Pesewa ist einem Buch gewidmet, welches die Rolle der Bildung in einer demokratischen Gesellschaft widerspiegelt.
Der 20 Pesewa stellt die Kakaoschote da, die den landwirtschaftlichen Reichtum von Ghana und die wirtschaftliche Bedeutung von Kakao im Laufe der Jahre darstellt.
Die 50 Pesewa Münze trägt das Bild einer Marktfrau, die die Bedeutung von Frauen in der Wirtschaft symbolisiert und ihren Beitrag zum Aufbau der ghanaischen Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes darstellt.
Die 1 Cedi Münze zeigt das Bild einer Waage, welche Gerechtigkeit und Fairness in der Rechtssprechung symbolisiert und die Rechtsstaatlichkeit in Ghana verstärkt.

Meine Arbeit im Eastern Regional Hospital - Pädiatrische Abteilung

Die Pädiatrie besteht zum einem aus der Kinderabteilung und zum anderen aus der Intensivstation für Neugeborene. Ich habe in ersterer angefangen und bin zunächst mit den Ärzten/Arzthelfern mitgelaufen. Hier ist die Arbeit etwas anders organisiert. Zwar gibt es auch hier neben den angestellten Kinderärzten, rotierende Ärzte, die ihr klinisches Jahr im Krankenhaus machen, sowie Arzthelfer, die auch durch die verschiedenen Abteilungen gehen, allerdings teilt man sich hier die Arbeit auf. Die eine Hälfte ist in den Konsultationsräumen für Kinder und die andere Hälfte kümmert sich um die aufgenommenen Kinder in der Kinderabteilung. Da jegliche Ärzte im Krankenhaus oder eigenen Kliniken arbeiten, geht man in Ghana sogar mit einer einfachen Erkältung ins Krankenhaus in die Konsultationsräume, bekommt Medikamente verschrieben und geht wieder nach Hause.

Auch als Krankenschwester/Pfleger in der Ausbildung, muss man ein Praktikum im Krankenhaus machen, wo man von einer Abteilung in die andere wechselt, teils machen sie das ein halbes Jahr, teils nur 6 Wochen. Ehrlich gesagt, blicke ich da immer noch nicht so ganz durch. Leider hatte ich das Pech, dass unglaublich viele dieser Praktikanten zu meiner Zeit in der Kinderabteilung waren, sodass es für mich gar nichts zu tun gab. Wenigstens konnte ich erklären, wie man Infusionen wechselt, und die Vitalzeichen richtig bestimmt und einträgt.

Glücklicherweise habe ich auch an manchen Tagen bei der "Kangaroo Mother Care" mithelfen können. Das ist ein sehr schönes Programm für Neugeborene und ihre Mütter. Bis zum Erreichen des ersten Lebensjahres werden die Kinder hier intensiv betreut, außerdem können die Mütter hier sehr gut Erfahrungen untereinander austauschen. Alle paar Wochen wird geschaut, ob das Kind gesund ist und sich normal entwickelt. Neben der Behandlung der Kinder erhalten die Mütter noch wertvolle Tipps, gerade zum Thema Füttern. Außerdem wird eine psychologische Beratung angeboten. Besonders schön finde ich es auch, dass manche Väter und Großmütter die Mutter und das Kleine hierbei begleiten und unterstützen.

Die Neugeborenen-Intensivstation war mit teils über 40 Patienten wieder arbeitsintensiver. Allerdings ging es auch sehr eng zu, da zu den 40 Patienten ja noch 40 Mütter kamen, plus die ganzen Ärzte und Schwestern und das auf 2,5 Räumen. Für ghanaische Verhältnisse mag diese Station mit immerhin einigen Inkubatoren sehr gut ausgestattet sein, aber schon im Vergleich zu der Intensivstation für Erwachsene, muss einiges getan werden - gerade wenn man bedenkt, dass bei den kleinen Würmchen das Immunsystem ja noch kaum ausgebildet ist. Meine Arbeit auf der Station bestand in Vitalzeichen messen, Zugang legen, Blutabnehmen, Füttern und Trösten der Babys. Insgesamt gibt es für mich im Krankenhaus keine Station, in der Leben und Tod so eng beieinander liegen wie hier. Zum Glück geht es den meisten Patienten nach kurzem Aufenthalt wieder gut und sie können entlassen werden, dennoch gibt es auch einige mit traurigem Schicksal. Sei nun die Mutter bei der Geburt gestorben, oder das Baby ganz schlimm krank oder zum Teil auch wegen Familienstreitigkeiten, aufgrund einer Behinderung oder durch Geldmangel sich selbst überlassen. Aber diese Fälle passieren zum Glück nur ganz selten. In meiner Zeit dort habe ich außerdem gelernt, dass alle Kinder in Ghana nicht der Familie sondern dem Staat gehören. Und ehrlich gesagt, finde ich diese Regelung gar nicht schlecht, da die Ärzte meist doch mehr Ahnung von der Behandlung haben als die Familien. Außerdem kann man ja immer noch den Arzt/das Krankenhaus wechseln, wenn man mit der Behandlung unzufrieden ist. Wenn man sich allerdings einer lebensnotwendigen OP in den Weg stellen will (aus welchen Gründen auch immer), wird man hier tatsächlich verhaftet und das Baby/Kind trotzdem behandelt. Auch so einen Fall hatte ich in meiner kurzen Zeit, letztlich hat die Familie dann das Krankenhaus gewechselt.

Wer sich im Übrigen mehr für das Eastern Regional Hospital interessiert, kann auch auf der neuen Internetseite vorbeischauen: http://erhk.org/.

Das Feiertags-Special

Bild1.pngWeihnachten

Auch wenn dieser Eintrag, mehr als verspätet erscheint, möchte ich nicht umhin kommen, von meiner Weihnachtszeit in einem anderen Land zu erzählen. Insgesamt war diese Zeit die schwerste für mich bisher, da man bei 30 °C und ohne Glühweinstände den Flair dann doch sehr vermisst. Zudem hatte sich mein Leben in der alten Gastfamilie sehr verschlechtert. Meine Gastschwester hat einen Platz in einer Schule gefunden, musste dafür aber leider wegziehen und damit ist auch eine sehr große Hilfe im Haushalt weggefallen. Außerdem war sie diejenige, die sich am meisten um mich gekümmert hat. Glücklicherweise, war es für mich aber möglich, die Familie noch vor Weihnachten zu wechseln. Ich hatte ziemliches Glück und lebe mittlerweile sogar noch mit 2 anderen Freiwilligen, Jakob und Mara, in einer vierköpfigen ghanaischen Familie. Der Umgang ist hier ein ganz anderer und auch die Sprachbarriere ist viel kleiner. In der Regel unterstützt man sich gegenseitig, der Vater bügelt sogar jeden morgen die Sachen für sich und seine Frau. Und überhaupt ist es der Familie sehr wichtig, dass es ihren Gästen an nichts fehlt und sie sich sehr wohl fühlen.

Nichts desto trotz ist Weihnachten in Ghana etwas komplett anderes. Zwar gibt es auch hier durchaus Weihnachtsdekoration zu sehen und Lieder im Fernsehen zu hören (komischerweise fing ich sogar selbst an, Weihnachtslieder zu summen), allerdings war von Besinnlichkeit oder den Feiertagen nicht viel zu merken. Und trotzdem gerade der Süden Ghanas mehrheitlich christlich ist, gab es bis auf die 9 Lessons und Charols Veranstaltung in meinem Krankenhaus (+ weißem Weihnachtsmann) keine besonderen kirchlichen Veranstaltungen. Auch in den Familien ist Weihnachten eigentlich wie jeder andere Tag, außer dass man frei hat. Unsere Gastmutter allerdings hatte in dieser Zeit Hochsaison, da sie auf dem Markt Gewürze verkauft, und hat bis Silvester täglich bis spät abends durchgearbeitet. Notgedrungen, haben wir Freiwillige also Weihnachten zusammen gefeiert, sind in einen schön angelegten Park, ganz in der Nähe gefahren, haben ganz viel Bier, Obst und Snacks eingekauft und eher so eine Art 1. Mai/Herrentagstour gemacht. Aber wir haben immerhin gewichtelt. Später am Abend ging's dann noch zum "dreitägigen Karneval" in die Stadt, wo recht viel los war mit offenen Bars und Live-Konzerten überall.





















Neujahr

Was bei uns das Weihnachtsfest ist, ist in Ghana dann Neujahr. Vermutlich liegt das daran, dass dieser Tag sowohl von Muslimen als auch von Christen gefeiert werden kann. Überhaupt finde ich es sehr schön zu sehen, dass das Zusammenleben von Muslimen und Christen hier scheinbar problemlos verläuft. Teils gibt es christliche, teils muslimische Feiertage, man respektiert den anderen und seinen Glauben, hauptsache man geht regelmäßig in die Kirche/Moschee und betet zu Gott. An Silvester bin ich mit meinem Gastbruder Eddie gegen 20 Uhr zum Gottesdienst gegangen, welcher tatsächlich eine Live-Übertragung mit Beamer, von einem großen Gottesdienst mit Ehrung besonderer ghanaischer Persönlichkeiten in Accra war. Leider bin ich nach 2 Stunden (die Veranstaltung ging 5) schon gegangen, da ich von meinem Silvester ziemlich enttäuscht war und ich es mir doch anders vorgestellt hatte. Ich hab's auch zum ersten mal seit dem Kindergarten einfach verschlafen, das neue Jahr - das war echt ziemlich deprimierend und traurig.

Dafür war der Neujahrstag umso besser, da hat meine Gastfamilie nämlich Freunde, Familie, Nachbarn, Bekannte - einfach ganz viele Leute eingeladen. Es wurden sogar 2 Ziegen nur für dieses Fest geschlachtet und es gab recht viele ghanaische Spezialitäten zu essen und tatsächlich richtigen Salat, bei deren Zubereitung ich fleißig mitgeholfen habe. Von Waakye mit gebratenem Tilapia/Hühnchen, Salat und Shito über Fufu mit Goats-Soup bis hin zu gebratenem Reis.

Meine Arbeit im Eastern Regional Hospital - Chirurgische Abteilung

Erstmals war ich also richtig drin, im Krankenhausalltag. Für mich eine ganz neue Erfahrung und auch eine große Herausforderung, da ich bisher entweder relativ abgeschottet im Labor gearbeitet habe oder als Besucher dagewesen bin. Mit der chirurgischen Abteilung habe ich mir zugleich eine sehr spannende und arbeitsintensive Abteilung ausgesucht, in der man allerdings zum Teil auch sehr ernste Fälle zu sehen bekommt. Teils konnten die Patienten nichts dafür, teils sind sie einfach viel zu spät zum Krankenhaus gekommen oder wurden nicht rechtzeitig von einem kleineren Krankenhaus überwiesen oder aber mit "Herbal Medication" behandelt. Letztere hat zum Teil zu sehr schlimmen Schwellungen und Ablösen großer Hautareale bis aufs Muskelgewebe geführt. Aber umso schöner war es zu sehen, wenn man durch richtige Behandlung Besserung erzielen und dem Patienten helfen konnte. Nicht selten habe ich sogar 2 Schichten im Krankenhaus verbracht. Dabei hatte ich sowohl die Chance, den Arbeitsalltag der Schwestern/Pfleger als auch den der Ärzte/Arzthelfer kennenzulernen.

Als Krankenschwester habe ich hauptsächlich beim Vitalzeichen messen, Verbandswechsel und Betten-Beziehen helfen können. Allerdings fallen den Schwestern/Pflegern auch verwaltungstechnische Aufgaben zu, insbesondere beim Aufnehmen/Entlassen des Patienten. Außerdem folgt eine/r täglich den Ärzten, bei ihrer morgendlichen Runde, um den Plan jedes Patienten zu aktualisieren (z.B. Änderung der Medikation, Durchführung von diagnostischen Tests,...). Denn auch Medikamentengabe und Geleiten der Patienten zum Röntgen bzw. CT gehört zu dem Arbeitsfeld einer/s Schwester/Pflegers.

Der Arbeitsalltag der Ärzte/Arzthelfer begann um Punkt 7 - und ja der Chef, Dr. Amponsah, hat im Gegensatz zu den meisten anderen Ghanaern auf Pünktlichkeit viel Wert gelegt. Wir haben immer von der Notaufnahme gestartet, um mögliche Fälle schnell aufnehmen zu können und sind danach zu unserer eigenen Abteilung gegangen. Dort haben wir einen Patienten nach dem anderen sehr zügig bearbeitet. Daraufhin haben wir meistens noch bei dem Aufwachraum und der Intensivstation und bei Anforderung auch in der pädiatrischen Abteilung und der Intensivstation für Neugeborene vorbeigeschaut. Nach einer kurzen Frühstückspause gegen 10 ging es danach zügig entweder in die Konsulat-Zimmer, wo sich mögliche zukünftige aber auch alte Patienten der chirurgischen Abteilung vorstellen konnten und danach in den OP bzw. am Dienstag/Donnerstag direkt in den OP. Bei Notfällen hat der Chef sich immer eine kleine Gruppe zusammengestellt und die Fälle zu jeder Zeit natürlich schnellstmöglich bearbeitet. Insgesamt hat der Arbeitstag für die Ärzte/Arzthelfer in der Regel bis nach 20 Uhr gedauert und das täglich. Ich persönlich habe durch Zuhören/Beobachten der Ärzte/Arzthelfer zwar viel Lernen aber leider nicht viel helfen können. Besonders interessant war es auch, einmal bei der Chemotherapie für Brustkrebs dabei sein zu können.

Nachdem ich so 4 Wochen verbracht habe, habe ich mir nochmal für 3 Wochen den OP, Aufwachraum und die Intensivstation genauer angeschaut. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller gewesen, den OP vorher anzuschauen, da ich erst jetzt den ganzen englischen Begriffen für Instrumente und Co. nähergebracht wurde. Ich habe eine sehr gute Einführung bekommen, in der mir nicht nur gezeigt wurde, wo alles zu finden ist, sondern auch wozu es gut ist. Sei es nun die unterschiedlichen Desinfektionsmittel, Nahtmaterialien, Bestecksets, oder aber die Art den OP vor- und nachzubereiten, steril zu arbeiten und Bestecke, Tücher,... ordnungsgemäß zu reinigen bzw. zum Autoklavieren vorzubereiten. Einmal durfte ich auch assistieren. Allerdings muss natürlich gerade dann, wenn "Obroni" in Aktion ist, eine Überraschung nach der anderen kommen. Zuerst hat das Betäubungsmittel ungewöhnlich lange gebraucht, um zu wirken, dann hat sich die eigentliche Hernie im Hodensack als riesige Hydrozelle (konnte sie mit beiden Händen nicht umfassen) entpuppt. Und auch wenn ein Stromausfall höchstens 2 Mal im Monat vorkommt und meist nur ein paar Sekunden dauert, in dieser einen Stunde hat er 5 Minuten gedauert, allerdings konnten wir durch das Notstromaggregat die Arbeit ununterbrochen weiterführen. Zuletzt hat der Arzt beim Versuch, die Hydrozelle zu isolieren, unglücklicherweise mit dem Skalpell ein Loch hineingestochen, sodass die Flüssigkeit herausgespritzt ist. Allerdings konnten wir die Flüssigkeit mit einer Schale auffangen, den Rest der Zelle entfernen und die OP komplikationslos zu Ende führen.

Meine Zeit im Aufwachraum und der Intensivstation war dagegen ruhiger. In den 2 Wochen, wo ich da war, gab es recht wenige Patienten. Allerdings wurde die Zeit in der Intensivstation sinnvoll genutzt, mir alle Geräte, Verfahren, Medikamente usw. zu zeigen und näherzubringen, damit ich, falls ein Notfall kommt, auch sehr schnell reagieren und helfen kann. Diese Station ist vergleichsweise sehr gut und modern eingerichtet, hat sogar ein eigenes Röntgengerät. Und auch wenn es meist sehr ruhig ist, in Notfällen passiert alles sehr schnell und jeder weiß, was er zu tun hat und was jetzt gerade nötig ist. Es war wirklich beeindruckend, das Team in Aktion zu sehen.

Dienstag, Dezember 5 2017

Was ich sonst noch alles erlebt habe

  • Festivals in Akropong, Koforidua und Somanya - Grundsätzlich immer wieder eine schöne Sache, da man dort tagsüber viel Kulturelles sehen kann und abends/nachts ordentlich gefeiert wird. Leider wurde mir aber bei Ersterem nachts im Gedränge mein Handy aus meinem Beutel geklaut.
  • Twi-Unterricht - Twi ist die lokale Sprache der Ghanaer meiner Region, die im Alltag recht viel benutzt wird.
  • Boti Falls - Mit den Wasserfällen , dem sogenannten "Regenschirm-Stein" und kulturellen Stätten wie z.B. der dreiköpfigen Palme
  • Interview bei Kingdom FM - Da wurde ich von meinem Kumpel Abanga mitgenommen.
  • Club - Das war einer meiner Versuche, Feiern zu gehen. Da die Tanzfläche allerdings zu leer war und ich mich als einzige Weiße recht beobachtet gefühlt habe, habe ich das mit dem Tanzen lieber erstmal gelassen.
  • Fußball - Eines der Leidenschaften vieler männlicher Ghanaer. Das Spiel war meiner Meinung nach auch sehr sehenswert. Ich habe einige schöne Pässe und Tricks gesehen. Leider musste aufgrund strömenden Regens in der zweiten Halbzeit zum Elfmeterschießen vorgespult werden. Trotzdem sind noch eine Menge Fans geblieben, um das Finale anzuschauen.
  • Beads-Market - Dort findet man richtig schöne Armbänder, Ketten, Ohrringe, Schlüsselanhänger, Körbe, Taschen und vieles mehr
  • Kleid - Das erste Kleid, das ich mir hier habe schneidern lassen.

Beerdigung mit Trommlern - Es ist hier nicht unüblich, dass Beerdigungen für eine Woche celebriert werden. Beerdigungen und Hochzeiten sind allgemein die Veranstaltungen, wo die ganze Familie (auch teilweise aus Nigeria angereist) zusammenkommt um zu feiern. Selbstverständlich trauern die Menschen auch, einen geliebten Menschen verloren zu haben. Aber das steht eher im Hintergrund, da dieser geliebte Mensch nach dem christlichen Glauben ja durch Gott ins Paradies gerufen wurde.

  • Cape Cost - Da hat das mit dem Feiern auch endlich geklappt, da wir in einer Unterkunft mit Menschen aus aller Welt waren. Bei der Stadt ist es für mich kein Wunder, dass sie ein beliebtes Urlaubsziel ist, da sie wunderschön am Meer gelegen ist und auch historisch und kulturell mit dem Castle (Kolonialzeit) einiges zu bieten hat. Allerdings habe ich dort im Verhältnis zu anderen Städten gesehen, schon recht viel Geld gelassen.

Meine Arbeit im Eastern Regional Hospital - Labor

In den ersten 8 Wochen habe ich es vorgezogen, in dem Bereich zu arbeiten, den ich kenne, nämlich dem Labor. Dort habe ich die verschiedenen Abteilungen meist für eine Woche kennenlernen können: Mikrobiologie, Blutbank, Hämatologie, Parasitologie, Klinische Chemie, Probenannahme, Blutabnahme und Serologie. Außerdem habe ich noch die Labore für die Pränatale Diagnostik und die Geburtsstation besucht.

Insgesamt hat mir die Zeit dort richtig gut gefallen. Dadurch dass ich die Arbeitsabläufe auch einigermaßen durch mein Studium kannte, fiel es mir nicht schwer, mich einzugliedern. Besonders schön fand ich es auch, mit meinen Kollegen über all ihre unterschiedlichen Arbeitsbereiche sprechen zu können, da wir ja alle eine recht ähnliche Ausbildung hatten. So habe ich mich zum Beispiel mit Mikrobiologen über Antibiotikaresistenzen unterhalten, da das hier ein großes Problem ist. Letzte Woche war ich sogar auf einem Seminar, auf dem besprochen wurde, wie man dem, zumindest intern im Krankenhaus, entgegenwirken kann.

Auch jetzt noch, wo ich die Abteilung gewechselt habe, komme ich meine alten Arbeitskollegen noch gerne besuchen und ich denke, dass sich das auch die nächsten Monate nicht ändern wird.

Seit etwa zwei Wochen arbeite ich in der chirurgischen Abteilung, die einmal aus dem OP mit Intensiv- und Aufwachstation und der Station für die Patienten zur Vor- und Nachbehandlung besteht. Aber mehr möchte ich lieber erst beim nächsten Mal berichten...

Vorurteile mal anders

Bei unserem Vorbereitungsseminar in Ghana haben wir einige gängige Vorurteile gelistet, die ihr auf dem Foto mal durchlesen könnt.

Ich dagegen möchte in diesem Eintrag über eines der Vorurteile berichten, das Ghanaer von uns Deutschen haben. Besonders beliebt ist das Vorurteil, dass alle Deutschen Bier wie Wasser trinken. Für jemanden hier ist das völlig unvorstellbar, da es schlicht und einfach nicht üblich ist, Alkohol (insbesondere im Übermaß) zu konsumieren. Deshalb versucht man sich, das mit den Deutschen ganz logisch zu erklären: Während des 2. oder 3. Weltkrieges, jedenfalls dem mit Hitler, sei das Wasser von den Aliierten verschmutzt worden, sodass den Deutschen nichts anderes übrig blieb, als auf Bier zurückzugreifen. Ja und seitdem trinkt man da halt Bier wie Wasser.

Mich persönlich bringt diese Story immer wieder zum Grinsen, da sie mir in meinen 3 Monaten hier schon recht häufig, natürlich mit diversen Variationen, erzählt wurde.

Montag, September 25 2017

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus

Den richtigen Flieger habe ich zum Glück gefunden und auch so habe ich mir den Flug wesentlich aufregender vorgestellt, als er am Ende war. Und nun bin ich hier in Ghana... Bevor ihr meinen eigentlichen Bericht lest, würde ich euch allerdings darum bitten, einmal in 2 sehr sehenswerte Videos hereinzuschauen, nämlich den Radi-Aid-Song und Let's save Africa.

Ich habe versucht, möglichst ohne Vorurteile hierherzufahren und erst einmal alles so zu nehmen, wie es ist - denn anders muss nicht unbedingt schlechter sein. Einen Reiseführer habe ich bis jetzt auch noch nicht gelesen, sodass ich leider nicht mit schlauen Fakten über Ghana punkten kann, sondern nur mit Dingen, die ich bisher erlebt habe. Und ich kann nur sagen, dass ich hier fast jeden Tag auf's neue Staune...

  • Sei es nun zum ersten Mal am Markt eine Kokosnuss zu verzehren,



  • oder der Verkehr, der mit viel Hupen und ohne wirkliches System und zum Teil mit Millimeterabständen zwischen den Autos einwandfrei funktioniert,




  • der riesige Markt, wo mein Orientierungssinn ordentlich auf Probe gestellt wurde und man alles, wirklich alles kaufen kann,



  • oder in eineinhalb Stunden auf einen Berg gewandert zu sein und eine atemberaubende Sicht über ganz Koforidua zu haben.




Aber zunächst zurück zum Anfang... Am 06.09. bin ich mit einer Stunde Verspätung gegen 20:00 Uhr in Accra gelandet. Von dort wurde ich zusammen mit den anderen 16 Freiwilligen in ein Hotel direkt am Meer gebracht. Der Transport war ziemlich abenteuerlich, da das gesamte Gepäck auf dem Dach von 2 großen Transportern festgeschnallt wurde, sodass wir alle noch zusätzlich in den Wagen Platz hatten. Im Hotel fand dann für 5 Tage ein spezielles Seminar statt, dass uns speziell auf das Leben und Ghana und unsere Projekte vorbereitet hat.


Für mich haben sich diese ersten Tage vor allem unglaublich warm und hell von der Sonne, klebrig von der Sonnencreme oder Mückenspray und etwas ausgelaugt angefühlt, da wir Mädels in unserem Zimmer kaum Platz hatten. Daher war es eine willkommene Abwechslung, sich jederzeit im Meer erfrischen zu können und auch das Essen war sehr lecker.

Am Sonntag, dem 10. September wurden wir dann alle in unsere Gastfamilien gebracht. Meine Familie ist vergleichsweise klein, da Pat und Ben nur einen Sohn, Peter, haben. Neben diesen Dreien leben allerdings noch Comfort (Pat's Mutter) und meine Gastcousine Emilia (Pat's Nichte) im Haus. Obwohl ich anfangs etwas überfordert war, was hauptsächlich daran lag, dass ich gleich Montag morgen eigenständig mit dem Taxi an irgendeinen Ort der Stadt gefahren bin, wo ich noch nie zuvor war, habe ich mich mittlerweile sehr gut eingelebt und in den Alltag der Familie integriert. Das einzige, was ich im Haus unglaublich störend finde, ist das Radio. Da Comfort nicht so gut hört, läuft das nämlich von 5:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends in so einer Lautstärke, dass Oropax kaum einen Unterschied schaffen. Wie die anderen sich verständigen können, ist mir auch immer noch ein Rätsel, da ich kaum höre, wenn jemand mit mir spricht, geschweige denn was.


Alles in allem habe ich mich gut hier eingelebt und auch den größten Teil meiner Gastfamilie schon sehr lieb gewonnen. Besonders schön sind auch die Abende, die ich zusammen mit den anderen Freiwilligen zum Beispiel beim Pizza essen oder in einer Bar verbringe.

Beim nächsten Mal kann ich auch hoffentlich etwas über mein Projekt, das Eastern Regional Hospital, erzählen. Da habe ich nämlich morgen meinen ersten richtigen Arbeitstag, da es ein paar verwaltungstechnische Probleme gab. Um dort ein Jahr Vollzeit als Freiwillige arbeiten zu können, wurde von dem Krankenhaus eine "Spende" von 600 Cedi (entspricht 120 €) verlangt. Mir persönlich ist das alles etwas spanisch vorgekommen, vor allem weil es letztes Jahr noch wesentlich weniger war und auch so niemand in der Verwaltung wirklich darüber Bescheid wusste. Besonders interessant fand ich auch die Tatsache, dass nur eine Geld-Spende und keine Sach-Spende vom gleichen Betrag möglich war. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es wird, dort zu arbeiten...

Montag, September 4 2017

Morgen geht es also los...

...ein komisches Gefühl irgendwie. Was heißt komisch - eigentlich sind es eher ganz viele verschiedene Gefühle auf einmal. Auf der einen Seite bin ich sehr aufgeregt und neugierig, dann gibt es allerdings auch Momente in denen ich mich frage: "Was mache ich hier eigentlich?" Aber ich schätze, das ist ganz normal für jemanden in meiner Situation. Die meiste Zeit versuche ich, nicht allzu sehr zu grübeln, was auch ziemlich gut geklappt hat, da ich unglaublich viel organisieren musste, wie:

  • Vorbereitungsseminar besuchen
  • Visum beantragen
  • Arzttermine vereinbaren
  • Impfen lassen
  • Kostenerstattungen beantragen
  • wichtige Dokumente zusammensuchen, kopieren und sichern
  • Spenden sammeln
  • Interview geben
  • Packen und fehlende Dinge besorgen
  • Gastgeschenke überlegen
  • ...

Dass ich nebenbei noch Klausuren/meine Bachelorarbeit geschrieben und als Tutor gearbeitet habe und vor eineinhalb Wochen erst umgezogen bin, hätte ich ohne die Unterstützung meiner Familie, Freunde und Kollegen niemals alleine geschafft. Deshalb möchte ich ihnen an dieser Stelle ein großes Dankeschön entgegenbringen.

Was die nahe Zukunft allerdings bringt, weiß ich noch nicht und ob ich es überhaupt schaffe, im richtigen Flieger zu sitzen, bleibt auf jeden Fall spannend. Aber ich hoffe sehr, euch in einem Monat berichten zu können, dass alles geklappt hat und ich gut angekommen bin.

Dienstag, Juli 25 2017

Über das Projekt

Anfang September werde ich meinen einjährigen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Eastern Regional Hospital in Koforidua beginnen. Dazu werde ich zum ersten Mal in meinem Leben fliegen, wovor ich, ehrlich gesagt, immer noch ziemlich großen Respekt habe.

Auf dieses Projekt gekommen bin ich durch meine ehemalige Mitbewohnerin und sehr gute Freundin Jule, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, vor meinem Master ein Jahr Pause zu machen und praktisch zu arbeiten, habe allerdings nichts für mich Geeignetes gefunden. Deshalb freut sich die Humanbiologie-Studentin in mir umso mehr über die Chance, als "Medical Health Assistant" mehrere Stationen im Eastern Regional Hospital kennenzulernen und viel an Erfahrung gewinnen zu dürfen.

Gleichzeitig ist es für mich die bislang größte Herausforderung meines Lebens, da ich noch nie so lange von Zuhause weg war. Es ist auch eine ganz neue Erfahrung für mich, auf mein Englisch angewiesen zu sein, da ich zum ersten Mal alleine in einem anderssprachigen Land bin. Aber ich freue mich auch wahnsinnig darauf, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen, in eine andere Kultur einzutauchen und viele inspirierende Menschen kennenzulernen.

Gefunden habe ich das Projekt über das weltwärts-Programm, wo noch viele andere entwicklungspolitische Freiwilligendienste für Jugendliche in unterschiedlichsten Bereichen (Sport, Bildung, Umwelt, Arbeit mit benachteiligten Menschen,...) angeboten werden. Betreut werde ich durch die Organisation ijgd (internationale Jugendgemeinschaftsdienste) und ihre Partnerorganisation ARA (Agricultural Rural Development Association). Es werden nicht nur Flug, Gastfamilie und Arbeitsstelle durch die Organisationen vermittelt, sondern wir Freiwillige werden auch in Form von Seminaren vor, während und nach unseres Dienstes betreut. Das alles ist natürlich mit hohen Kosten verbunden, die zu 75% durch das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gedeckt werden. Die restlichen 2700 € muss ich selbst aufbringen.

Ich würde mich erst einmal sehr darüber freuen, wenn ihr mich in diesem Jahr über diese Seite begleitet, auf der ich regelmäßig über meine Erlebnisse berichten möchte. Auch für Rückmeldungen und Diskussionen bin ich offen. Gleichzeitig wäre ich sehr dankbar, wenn ihr mich bei meinem Freiwilligendienst in Form von Spenden unterstützen würdet.

Herzlich Willkommen

Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Hier möchte ich euch regelmäßig auf dem Laufenden halten und euch mit schönen Bildern und kreativen Einträgen einen möglichst guten Einblick in mein Auslandsjahr verschaffen.